Milo bestellt heute links (und ich hinterfrage meine Rolle im eigenen Haushalt)
Ich weiß nicht genau, wann ich vom Hundehalter zum Servicepersonal geworden bin. Irgendwann zwischen „ich hab das im Griff“ und „Moment, ich halte dir kurz drei Ochsenziemer hin, such dir bitte einen aus“ muss ich falsch abgebogen sein. Und ich hab’s nicht mal gemerkt.
Eigentlich wollte ich nur einen simplen Ablauf: Hund bekommt Kauartikel, Hund kaut, Zähne sauber, alle glücklich. So die Theorie. Die Praxis sieht so aus, dass ich in meiner eigenen Küche stehe, drei Hunde auf ihren Plätzen liegen und warten und ich, kein Witz, drei Ochsenziemer in der Hand halte wie ein schlecht bezahlter Sommelier kurz vor der Verkostung. 🤡
Es fing ganz unspektakulär an. Ein Ziemer für jeden. Ich halte Milo seinen hin. Er schaut, ich schaue, er denkt und ich sehe förmlich, wie da oben eine kleine Excel-Tabelle aufgeht, Spalten mit „Geruch“, „Konsistenz“, „heute Lust?“. Dann kommt die Entscheidung:
❌ „Nee.“ ❌
Nicht später, nicht vielleicht, nicht „gib mir was anderes“. Einfach dieses trockene, elegante: „Das überzeugt mich heute nicht.“ Und als wäre das noch nicht deutlich genug, dreht er den Kopf weg, als hätte ich ihm Brokkoli unter die Nase gehalten.
🤨 „Ernsthaft jetzt?“
Ich wiederhole das Spiel ein paar Mal, weil man ja hoffnungsvoll ist und beim dritten oder vierten Versuch zieht Milo ein Gesicht, das ich nur noch als Kotzgesicht bezeichnen kann. 💀
Spätestens da war klar: Wir sind hier nicht bei „Hund nimmt Futter“, wir sind bei „Hund hat eine Meinung“. 🤦♀️
Spoiler-Alert: Ich bin Rechtshänder und habe Milo sein Stück immer mit der rechten Hand gereicht. Nix zu machen. Das baute sich langsam auf… bis zur kompletten Verweigerung. Per Zufall und wegen einer Verletzung rechts, habe ich ihm den Kausnack mit links gereicht.
Und siehe da… das ging. 😝
Aber so ganz geheuer war ihm das immer noch nicht. Und dann fängst du ja an zu überlegen. Du kommst mit Rinderpansen, Ochsenziemer, Rinderkopfhaut, Rinderohren mit Muschel um die Ecke, eine stinkt schlimmer als die andere und der nimmt das mit spitzen Zähnen, als würde er dir eher einen Gefallen tun… und verweigert es dann doch. 🤦♀️
Also Plan B:
👉 „Wenn du nicht willst, dann kriegst du halt keinen.“
Klare Kante. Führung. Konsequenz. 💪 Ich war kurz stolz auf mich. Wirklich.
So ein inneres: „Jetzt setzen wir hier mal Grenzen.“ ☝️
Immerhin, wo kommen wir denn dahin, wenn der Hund anfängt, die Regeln zu machen? *pfffff*
Milo bleibt liegen. Die anderen kauen genüsslich. Und er legt den Kopf ab und döst. Ganz entspannt, so nach dem Motto:
„Dann halt nicht. Mir doch egal.“ 😏
Und ich sitze da und denke mir:
„Ich wurde doch gerade gekündigt.“ 🤔
Genau da hat es Klick gemacht. Das ist kein Hunger. Das ist kein „der testet dich“. Und das ist ganz sicher keine verzogene Fußhupe.
Das ist ein Typ.
Ein Hund mit Meinung, mit Stil und mit einem sehr klaren Verständnis davon, wie Dinge hier bitte zu laufen haben.
Also Planänderung. Wenn er nicht nimmt, was ich ihm gebe, dann… ja, dann gebe ich ihm halt mehrere. Drei Stück. Links, Mitte, rechts. In der linken Hand (selbstverständlich), weil rechts offensichtlich raus war, man lernt ja dazu 🙄
Und plötzlich passiert etwas. Milo wird wach, nicht körperlich, sondern mental. Er schnüffelt links, prüft die Mitte, rechts wird kurz begutachtet und dann innerlich aussortiert. Ich stehe daneben und denke mir ernsthaft:
„Sag mir bitte, dass ich mir das gerade nicht einbilde.“ 🤷♀️
Und dann nimmt er einen. 😳 Kaut. Ganz normal. Als wäre das hier ein völlig legitimer Ablauf und ich hätte das bitte schon immer so machen sollen.
Ja man… ich brauch halt länger, um den heiligen Milo-Gral zu finden. Man möge mir bitte verzeihen. 😌
In dem Moment wird mir klar:
Ich habe einen Hund, der sein Essen auswählt. Nicht frisst. Nicht nimmt. Auswählt.
Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: Das war nur die halbe Geschichte. Denn Milo möchte bitte auch nicht als Letzter drankommen. Natürlich habe ich das getestet, man will ja verstehen, mit wem man da zusammenlebt. Also Reihenfolge geändert. Erst Siri, die sowieso alles frisst. Wirklich alles. Wenn ich ihr ein Stück Treibholz gebe und sage „ist neu“, nimmt sie das mit Begeisterung. 🌊 Dann Ouzo, der das Ganze erstmal betrachtet, als müsste er innerlich eine Entscheidungsvorlage ausfüllen.
Und dann kommt Milo.
Er sitzt da, ganz ruhig, ganz still, und schaut mich an. Nicht laut, nicht dramatisch, nicht mal beleidigt, sondern so subtil, dass es fast schon beeindruckend ist:
„Das ist nicht der Service, den ich wünsche in diesem Haushalt.“ ☝️
Da hilft auch keine linke Hand mehr und auch keine Auswahl.
„Es geht ums Prinzip.“
Und ich schwöre, das ist der Moment, in dem man anfängt, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen. Nicht den Hund.
👉 Dich.
Während ich also dachte, ich bringe meinen Hunden Struktur bei… hat Milo mir beigebracht, wie man serviert. 💁♀️
Und ja – ich habe mich angepasst. Ich gebe ihm Auswahl, ich achte darauf, dass er nicht als Letzter dran ist, ich halte ihm die Kausnacks hin wie ein Menü. Und irgendwo in meinem Kopf läuft parallel eine leise Stimme:
„War das der Plan?“ 🤔
Die ehrliche Antwort? Nein, verdammt nochmal. 😤
Aber es funktioniert. 🤪
Siri frisst. Ouzo denkt. Milo entscheidet. Und ich stehe da mit meinen drei Ochsenziemern und frage mich manchmal, ob ich das hier noch im Griff habe… oder ob ich längst Teil eines Systems bin, das ich selbst nicht mehr ganz verstehe.
Aber eines weiß ich sicher:
👉 Ich habe keine verzogene Fußhupe.
👉 Ich habe einen Kunden.
Und der weiß ziemlich genau, was er will.
Leider. 😂
Bis zur nächsten Bestellung 🤣
Herrlich 😂, ich bin immer wieder begeistert von Deinem Deichgeflüster, auch wenns nicht am Deich ist.
Naja, streng genommen, wohne ich ja am Deich 😂